Bericht vom Klettern in den Gardaseebergen vom 26.4. bis 1.5. 2002
Am Freitag Abend des Anreisetages trafen wir uns so nach und nach am Campingplatz in Arco. Wir, das waren unser Fachübungsleiter Alpinklettern Edgar, seine „Assistentin“ Heidi, der Oldi Rolf, der Doktor Andreas und Bernhard. Bei Rotwein aus Bardolino besprachen wir den nächsten Tag. Als in der Nacht plötzlich Regentropfen auf unser Zelt prasselten, durchfuhr uns sofort ein Schreck. Es regnet in Arco!
Aber gegen Morgen waren die Regenschauer vorbei und nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns zu viert auf zum Aufstieg zu den Routen am Colodri Süd. Andreas zog es vor, statt zu Klettern mit seinem Mountainbike eine Tour zu fahren.
Als erstes kam die Route Spigolo Sud (4, 90 m) mit einer Variante über die Route Fessura (5+) unter unsere Finger. Insgesamt wurde diese „Warmkletterroute“ von allen gut gemeistert.

Heidi in der Spigolo Sud
Etwas härter zur Sache ging es bei der Route Gobbi Seiwald (6, 90 m). Als erstes testete Bernhard die Aufmerksamkeit der Heidi, indem er als Vorsteiger plötzlich und nicht ganz freiwillig etwa 2 Meter tief ins Seil sprang. Obwohl unser Guide Ed seinem Nachsteiger, dem Oldi Rolf in der ersten Schlüsselstelle Hilfsmittel (Bandschlingen) für eine technische A1 Begehung anbrachte, ignorierte dieser einfach diese Hilfsmittel und führte (unfreiwillig?) einen Pendelquergang durch. Auf diese Weise umging er (jedoch nicht ganz elegant) die Schlüsselstelle. Nachdem uns die 4. Seillänge (4) zu einfach war, wurde die Tour auf der Route Bongo (6-) vollendet.
Nach dem Abseilen auf der Abseilpiste ging es nachmittags zurück zum Basislager am Zeltplatz zu Kaffee, Tee und Kuchen. Nachdem es dem Rolf für diesen Tag reichte, stiegen unsere beiden Guides Heidi und Ed in die Tour Stenico (7, 180 m) am Colodri Est ein, während Bernhard mit Rolf als Sicherungspartner sich an den kurzen Sportkletterrouten Massi di Prabi am Fuße des Colodri Est die Finger langzog.
Erst gegen 19:30 Uhr kamen Heidi und Ed von ihrer Tour zurück und erzählten, dass der Ed die Schlüsselstelle, einen schlecht gesicherten Überhang erst beim vierten Mal überwinden konnte und dreimal wieder abgeklettert ist. Bei Spagetti mit Soße und Rotwein klang der Samstag aus.
Am Sonntag stand für alle fünf die Route Aspettando Martino (5+, 180 m) am Colodri Est am Programm. Die erste Seilschaft mit Ed als Vorsteiger und Rolf und Andreas als Nachsteiger kämpften sehr mit den Tücken des Doppelseils, das sich immer wieder ineinander verdrehte und am Stand einen schwer entwirrbaren „Seilverhau“ bildete, so daß der Vorsteiger Ed öfters um mehr Seil „betteln“ musste. Dadurch kamen sie nicht gerade schnell voran und so trafen sich Rolf und Andreas meist mit der zweiten Seilschaft, bestehend aus Heidi und Bernhard auf ein Schwätzchen an den Standplätzen. Nach etwa 4 Stunden waren wir dann alle oben und stiegen über den Klettersteig wieder zum Basislager hinab. Dort zeigte der Rolf uns seine Qualitäten im Brotzeit machen. Aus den „Untiefen“ einer großen, gelben Sporttasche zauberte er immer wieder eine verblüffende Vielfalt an Lebensmitteln auf den Campingtisch.
Nach dieser Stärkung gingen wir zu viert unsere zweite Route am Colodri Est an, wobei Rolf uns vom Basislager aus mit dem Fernglas verfolgte. Die Route Cinque Stagioni ist ganz neu. Die etwa 180 m im Schwierigkeitsgrad 5 bis 6- spulten wir in zwei Seilschaften, Ed mit Andreas und Heidi mit Bernhard, jetzt ohne Doppelseilchaos, mit überschlagen kletternden Vorsteigen relativ schnell ab. Der Clou dieser Route ist eine etwa 5 Meter lange Schlüsselstelle, an der, um die Homogenität der Route zu wahren, drei künstliche Klettergriffe angebracht wurden, sonst wäre diese Stelle mit etwa 7+ einzustufen! Der Austieg dieser Route endet am Einstieg der Routen des Colodri Sud, an dem Ed und Andreas noch eine weitere Tour (90 m) bis zum Südgipfel des Colodri durchführten.
Beim Basislager gab es diesmal Soße mit Spaghetti, die mit reichlich Bardolino vertilgt wurden. Dabei besuchten uns die Kletterfreaks Stefan und Helmut aus Burglengenfeld, die heute den Colodri Est über die Route Emiliana (9-, 200 m) bezwungen hatten!
Montags ging es mit Andreas Auto zum Monte Colt, wo die Route Tredicesima Luna (7-, 100 m) auf dem Programm stand. Da die Schwierigkeiten nicht unter 6 waren, hatten wir ganz schön zu arbeiten, um hoch zu kommen. Vor allem Rolf hatte schwer zu kämpfen. Rolf hatte dabei sein eigenes Vokabular mit etwas folgender Bedeutung: Okay (ich komme), Achtung (Seilzug), hoppala (mach dicht), ach (ist das schwer), Sch..sse (das schaff ich nicht)... Aber dank der tatkräftigen Unterstützung durch Ed und etwas technischer Kletterei kam Rolf sowie wir anderen vier (im Freikletterstil) nach etwa 3 Stunden am Ausstieg an. Nach der obligatorischen Brotzeit im Basislager beschlossen wir, nachmittags nicht mehr zu klettern, da nach der harten Tour etwas Regeneration angesagt war.
Wir gingen in Arco zum Shopping, was sich als weit gefährlicher (zumindest für den Geldbeutel) herausstellte als die bisher gekletterten Routen! In den Klettersportgeschäften in Arco findet ein ambitionierter Kletterer praktisch immer was zum kaufen. Den Edgar hat das Einkaufen jedenfalls mehr geschlaucht als jede Klettertour. Abends gingen wir zusammen mit den Burglengenfelder Cracks Stefan und Helmut in eine Pizzeria, wo wir dann auch noch die Siegerts trafen, die auch in Arco waren.
Am Montag fuhren wir zu viert (ohne Andreas) zu den Sonnenplatten bei Dro, die Placche Zebrate. Nachdem die anvisierte Tour Via Teresa wegen Überfüllung und Stau nicht in Frage kam, stiegen wir in die Route Via del cane trippa (5, 250 m) ein. Diese Plattenkletterei, meist im 4. Grad, war so recht nach Rolf’s Geschmack. Edgar schonte seine Zehen und Kletterschuhe, da er die Tour mit Wanderschuhen ging. Seine Nerven schonte er dadurch jedoch nicht, denn es waren zwei recht glatte Stellen dabei, die mit Wanderschuhen im Vorstieg doch recht heikel waren. Die Sonnenplatten machten ihren Namen alle Ehre, da nun den ersten Tag unseres Aufenthalts die Sonne so richtig runterbrannte.
Beim Zurückfahren ins Basislager kauften wir in einen Supermarkt ein, um dann gemeinsam ein reichliches Abendessen zu kochen und zu vertilgen. Mit einigen Gläsern Rotwein wurde unser Kletterausflug in Arco besiegelt. Am Mittwoch Morgen ging es nach dem Abbau des Basislagers nach vier herrlichen Klettertagen bei Arco wieder zurück Richtung Norden.
Bernhard Götz
Im Text erwähnte Routen:
Spigolo Sud 90 m L1 3, L2 4a, L3 4a
Bongo 90 m L1 5a, L 2 5c
Gobbi-Seiwald 90 m L1 5c, L2 5c, L3 4a
Stenico 180 m L1 5a, L2 5b, L3 5c, L4 6b, L5 5b
Aspettando Martino 180 m L1 4a, L2 5b, L3 5c, L4 5c, L5 5c, L6 4b
Cinque Stagioni 180 m L1 4c, L2 5a, L3 4c, L4 5b, L5 5b, L6 5c,
L7 5c, L8 3a
Emiliana 200 m L1 6b+, L2 6b+, L3 7a, L4 7b, L5 7a, L6 7a
Tredicesima luna 100 m L1 6a, L2 6a, L3 6a+, L4 6a